Tech, Halbleiter, Chips, Wachstum: Wie passt das mit der Dividende?

Stell dir vor, jede/r deiner Angestellten produziert rechnerisch einen Umsatz von über 1 Mio $ im Jahr. Klingt nach einem Dienstleistungs- oder Social Network Riesen, der kaum Manpower benötigt? Willkommen beim umsatzstärksten US-Halbleitergiganten, Broadcom (Ticker AVGO, WKN A2JG9Z)!

Zurück in die IT Steinzeit vor 60 Jahren

Die Wurzeln des Unternehmens gehen auf die 1961 von Hewlett-Packard ausgegliederte Avago und die 1991 gegründete Broadcom Ltd. zurück, die 2016 fusionierten und ihre Anteile 2018 in die Broadcom Inc. einbrachten, die in Singapur ihren Sitz hatte. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen 60 Jahre Erfahrung im Halbleitermarkt. Heute ist Broadcom nach Umsatz der größte fabless (fremdproduzierende) Halbleiterkonzern mit einer Umsatzsteigerung seit 2014 von rund 500% und vor allem bekannt für seine Schaltkreistechnik in Netzwerkhardware und Mobiltelefonen und anderen Dingen des alltäglichen digitalen Lebens. Kaum ein Gerät kommt ohne Mikrochips in jedweder Form aus. In den letzten Jahren wurde das Wachstum allerdings auf einstellige Raten abgebremst, was Broadcom 2018 zu einem feindlichen Übernahmeversuch vom größten Konkurrenten Qualcomm für sagenhafte 117 MRD $ veranlasste. Da es sich bei der Halbleiterindustrie um ein sehr datensensibles Geschäft handelt, wurde dies kartellrechtlich durch die US-Administration untersagt. Im selben Jahr zog das Unternehmen in das Silicon Valley und verlegte den Firmensitz nach San José.

Ab in die Zukunft

Auch wenn Broadcom zukünftig nicht mehr so gigantisch wachsen wird, weil Konkurrenten wie Qualcomm oder nvidia massivst aufholen, bietet die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung reichlich Potenzial für Wachstumsfantasien. Die grassierende 5G-Nachfrage, Ausweitung HomeOffice, Digitalisierung des Alltagslebens oder die Hoffnung auf selbstfahrende Autos, sogenannte „Automobile“, geben Anlass zu brillanten Zukunftsaussichten. Da Broadcom nicht selber fertigt, sondern Aufträge an die Spezialisten vergibt, kann sich das Unternehmen vollumfänglich auf Design, Entwicklung und Vertrieb konzentrieren, ohne den Unwägbarkeiten der Fertigung ausgesetzt zu sein. Traditionell gibt der US-Konsument die Richtung der Wirtschaft vor. Ein Abebben der Kauffreude durch die US-Stimuli ist nicht absehbar. Im Gegenteil:  Elektrokonsumgüterhersteller und E-Autobauer warten mit explosionsartigen Zahlen auf. Und alle haben eins gemeinsam, nämlich die anscheinend unstillbare Lust nach Chips. Auch die Übernahme von weiten Teilen der Web-Sicherheitsfirma Symantec wird ihren Teil zum Erfolg beitragen.

Zahlen, bitte!

Alleine der freie Cashflow belief sich 2020 auf über 12 MRD $ nach nur 4 MRD $ in 2017 bei einem heutigem Gewinn 2,5 MRD $. Die Aktie ist aktuell mit einem KGV von 69 relativ optimistisch bewertet. Die Dividendenhistorie lässt sich bis 2010 zurückverfolgen, als man exakt 0$ Dividende ausschüttete. Heute zahlt Broadcom annualisiert 13$ je Anteil. Ausgehend von 0,35$ in 2011 eine gigantische Steigerung! Für die kommenden Jahre erwarten Analysten ein Einpendeln der Höhe um 14-15$ je Aktie, woraus sich eine stabile Dividendenrendite gemessen am heutigen Kurs um 3% errechnet.

Die Kombination Tech und Dividende ist ungewöhnlich. Kaum ein anderes Unternehmen in diesem Sektor opfert Wachstumsoptionen für die Ausschüttung. Nichtsdestotrotz gelingt es Broadcom, aufgrund der eigenen Marktstärke diese Ausschüttungspolitik beizubehalten. Anleger müssen sich aber bewusst sein, dass damit exponentielles Wachstum nur durch kreditfinanzierte Übernahmen möglich sein wird.

Fazit

Imho gehört die Chipindustrie grundsätzlich in jedes diversifizierte Portfolio. Das organische Wachstum von Broadcom wird auch aufgrund aufkommende Konkurrenten keine zweistelligen Zahlen mehr hervorbringen. Wer aber den Kompromiss aus digitaler Zukunftstechnologie und ungewöhnlich hoher Ausschüttung sucht, findet hier einen soliden #TeamDividende Titel.

Von JL

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