Beim Hamborner letzte Woche war’s schon knapp – und jetzt? Ein Decider musste herhalten, um zwischen dem portugiesischen Versorger EDP und der gleichplatzierten DWS einen Sieger zu küren.

DW was?

Die DWS Group GmbH & Co. KGaA (WKN DWS100) ist zweifellos eine der bekanntesten Vermögensverwalter in Deutschland. Gegründet vor rund 65 Jahren von einem Konsortium mehrerer Banken als „Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen“ und seit 2004 ausschließlich zur Deutschen Bank gehörend, die Teile des Unternehmens 2018 an die Börse brachte. Die DWS notiert heute im SDAX der kleineren Werte, ein Aufstieg ist durch die Eigentümerstruktur derzeit nicht möglich. 2007 startet die Deutsche Bank den bekannten ETF-Emittenten db xtrackers, der 2012 in einer Division mit DWS aufgeht und bis heute in der Asset Management Sparte weitergeführt wird.

Wachstum voraus

Bild- und Informationsquellen: DWS, Wikipedia

Zum 31.12.2020 hat die DWS weltweit – das Unternehmen führt Dependancen in London, NYC und Hong Kong – laut eigenen Angaben knapp 800 MRD € sogenanntes Sondervermögen verwaltet und liegt damit recht deutlich hinter den US-amerikanischen Platzhirschen Blackrock oder Vanguard, die Billionen Summen verwalten. DWS belegt hier weltweit Platz auf 27. Sondervermögen bedeutet, Kunden können darauf vertrauen, dass Ihr Geld im Falle einer wirtschaftlichen Schieflage der DWS separat weiterbetreut wird, ohne für das Unternehmen zu haften.  Die verwaltete Summe wird bei der DWS in drei Geschäftsfeldern gestaffelt:

  • Aktiv gemanagte Fonds – rund 520 MRD € und damit (noch) weit mehr als die Hälfte. Hier generiert die Gesellschaft verhältnismäßig hohe Gebühren durch einmalige Ausgabeaufschläge, die durchaus 5% vom Anlagebetrag ausmachen und auch von wiederkehrenden Management Fees, die jährlich bis zu 2 oder 3% vom verwalteten Vermögen in Rechnung gestellt werden. Bekannt ist hier vor allem der DWS Top Dividende, der allein 18 MRD € an Geldern verwaltet.
  • Passive Fonds (ETFs) – rund 180 MRD € und damit etwas weniger als ein Viertel. Wie erwähnt verwaltet die DWS seit knapp zehn Jahren die ETFs der Deutsche Bank-Marke xtrackers und ist in diesem Segment weltweit tätig. Besonders das Thema „ESG“, also sozial, nachhaltig und ökologisch, spielt hier eine Rolle, um mehr Anleger für das Thema Geldanlage an der Börse zu begeistern. Laut DWS hat man das Portfolio zu diesem Thema im Jahr 2020 um 34% gegenüber Vorjahr ausgebaut. Dass aktuell ESG aber noch kein belastbares Label für Nachhaltigkeit ist, habe ich anhand eines Tweets dargestellt:

ETFs, auch die von xtrackers, verbuchen jährlich überproportionale Zuwachsraten im Vermögensbestand.

  • Spezialfonds – weniger als 100 MRD €. In der kleinsten Division ist auch die DWS-Einheit RREEF, die Immobilien- und Infrastrukturfonds anbietet. Einigen Anlegern sind hier der grundbesitz Deutschland bzw. grundbesitz Europa als bekannte offene Immobilienfonds ein Begriff. In meiner Positionsanalyse KW 15/21 habe ich zum Thema REIT auch die Unterschiede zum Immofonds herausgearbeitet.

Gewinne voraus?

Im Jahr 2020 hat die DWS ihr Ergebnis zum Vorjahr um nur 2,7% gesteigert. Warum nur? 2020 war DAS Aktienjahr der Deutschen. Durch Corona zuhause an die Rechner und Smartphones getrieben, hat es Millionen neue Aktionäre hierzulande gegeben. Ganz offensichtlich waren ETF und aktiv gemanagte Fonds nur die zweite Wahl bei den Börsenneulingen. Viele Broker hatten bis tief in das Jahr 2020 noch recht hohe Ausführungsgebühren für ihre ETF-Sparpläne. Erst mit dem Durchbruch der Neobroker, die mindestens einen ETF-Sparplan kostenlos anbieten, kam eine Preislawine ins rutschen, die auch wieder Umsätze für Fonds vorantrieb. Das Management zeigt sich daher für 2021 und die folgenden Jahre optimistisch, Ziele erreichen und ggfs. nach oben korrigieren zu können. Das Board hat zudem auch schon mitgeteilt, dass es den Aktionären bei der HV im Juni einen Gewinnverwendungsvorschlag für 2020 von 1,81€ je Aktie unterbreiten wird, nach 1,67€ im Jahr zuvor. Schätzungen ergeben weitere jährliche Steigerungsraten von bis zu 10%. Bei dem aktuellen Kurs von knapp 38€ ergibt sich eine vernünftige anfängliche Rendite von rund 4,75% p.a. Die Ausschüttungsquote beträgt akzeptable 70%; die DWS betreibt kein kapitalbindendes Geschäft und kann durchaus organisch wachsen.

Risiken

Die DWS wird voraussichtlich ihre Wachstumsstory weiterschreiben. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass sich der ETF Markt konsolidiert und weitere Anbieter fusionieren. Das Standing und der Kostendruck könnten sich dann zu Ungunsten der DWS entwickeln, vor allem wenn der ESG Trend nicht anhält. Zudem könnte eine Finanztransaktionssteuer, so wie sie Olaf Scholz als Bundesfinanzminister plant, Nettoabflüsse und damit sinkende Einnahmen zur Folge haben. Auch ist nicht sicher abzusehen, ob der Trend weg vom Einlagensparen hin zur Unternehmensbeteiligung weiter anhält, da die Märkte trotz Allzeithochs am seidenen Faden der Zentralbanken hängen und das Thema Corona im April 2021 noch nicht zu den Akten gelegt werden konnte.

Fazit & Ausblick

Die DWS hat ihre Hausaufgaben gemacht. Immer mehr Anleger verlangen nach sozial verträglichen und klimaschonenden Finanzprodukten. Hier ist längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht – vielmehr gilt es, Vorhandenes weiter zu entwickeln. Vor allem aber hat die Gesellschaft weltweit Wachstumspotenzial, aktuell ist sie vor allem in Deutschland erfolgreich. Ich halte eine Einstiegsposition und betrachte die DWS als sekundären Ausbauanwärter – ich plane also Zukäufe, habe aber aktuell anderweitig höherpriorisierte Ideen. Wer noch die Dividende 2020 mitnehmen möchte, muss die Aktien spätestens am Tag der Hauptversammlung, am 09. Juni 21., halten. Hier könnte ich daher bei einem ähnlichen Kurs wie heute Anfang Juni doch noch einmal zuschlagen und besonders die angepeilten Dividenden könnte es noch weiteren Anlegern schmackhaft machen, ihr Ausschüttungsdepot um einen zuverlässigen deutschen Zahler zu erweitern. Für Wachstumsdepots halte ich die DWS für nicht geeignet, hier würde ich beim Konkurrenten BlackRock oder auch bei MSCI Inc. zugreifen.

Von JL

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