Noch vor Kurzem ließ die Staatsbank KfW mit ihren Vorkehrungen für Negativzinsdarlehen aufmerksame Finanzierungsinteressenten aufhorchen – jetzt erhöht Sie beinahe gleichzeitig Ihre Zinskonditionen für das Programm 124. Wie passt das zusammen?

Wer in den letzten Tagen die Finanznachrichten durchstöbert hatte, dem war mit Sicherheit die Ankündigung aufgefallen, die KfW bereite sich softwaretechnisch auf kommende Negativzinsen bei der Darlehensvergabe vor. Was in Dänemark wohl bald möglich sein könnte, war in Deutschland bisher immer unvorstellbar. Damit macht man den Weg frei für klassische Geschäftsbanken, die sich in dieses Terrain begeben wollen. Freilich ist so ein Schritt in den kommenden Monaten eher unwahrscheinlich, auch weil sich das Durchschnittsniveau mittlerweile konsolidiert hat.

Umso erstaunlicher ist es, dass die KfW ihr beliebtestes Programm, 124, Erwerb und Bau von selbstgenutztem Wohneigentum, in der 10-Jahres-Kondition nun binnen weniger Wochen erneut ein weiteres Mal um zehn Basispunkte auf nun 0,95% p.a. erhöht hat. Demgegenüber wurde der Zinssatz für die Festlegung auf fünf jahre seit fast einem Jahr bei 0,75% p.a. belassen. Wer sich nun fragt, weshalb die KfW latent die Machbarkeit der Negativzinsfinanzierung vorantreibt und gleichzeitig aber ihre eigenen Zinssätze anhebt, wird feststellen, dass eben jene Zinspolitik der EZB Ursache ist.

Das klingt paradox? Nur auf den ersten Blick. Obwohl sämtliche KfW-Kreditmittel über die Hausbank beantragt werden müssen, verbleibt das Darlehen in der Bilanz der KfW. Werden die KfW-Konditionen nun schlechter, steigt tendenziell die Attraktivität der klassischen Bankdarlehen, was wiederum eine größere Summe von Aktiva in der Bilanz in Passiva umwandelt. Das spart die Einlagegebühren bei der EZB.

Aber für wen lohnt sich ein KfW-Kredit noch?

In meinen Augen gibt es zwei Szenarien, wo selbstnutzende Kreditnehmer über KfW nachdenken sollten (abgesehen von Tilgungszuschüssen in anderen Programmen):

  1. Im einfachsten Fall immer dann, wenn die Kondition der Hausbank über der der KfW liegt. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn nicht genügend Eigenkapital in die Finanzierung eingebracht wird,  das Darlehensrisiko in Relation zum Beleihungswert des Immobilie höher ist und die Bank daher Zinsaufschläge nimmt, die den Zinssatz der Finanzierung springen lassen. Häufig ist das Programm auch für Selbstständige günstig, die Kraft ihrer Einkunftsart bei Banken verschieden hohe Aufschläge akzeptieren müssen. Die KfW unterscheidet nicht zwischen Angestellten und Selbstständigen.
  2. Manche Banken bieten sogenannte Baukastensysteme an. Hier gibt es für verschiedene Beleihungsgrenzen feste Zinssätze. Werden die Grenzen überschritten, wird ähnlich wie in der Steuerprogression das gesamte Darlehen mit dem nächsthöheren Zins veranschlagt.Setzt man dagegen die KfW ein, kann das bei einigen Banken durchaus dazu führen, dass man trotz einer höheren Gesamtbeleihung für das Hauptdarlehen der Hausbank den niedrigeren Zins erhält.

Beispiel:

kfwrechnung
Beispiel mit und ohne KfW

Beispiel mit und ohne KfW
Was bleibt also?

Bis auf Weiteres die Erkenntnis, das Negativzinsen weit weg scheinen. Oder doch nicht?

In diesem Beitrag habe ich erläutert, wie heute schon Finanzierer bei der KfW weniger zurückzahlen als Sie aufgenommen haben.

 

 

Von JL

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