Vor nunmehr 29 Jahren wurde der Solidaritätszuschlag zunächst befristet als Ergänzung zu Einkommens- und Körperschaftssteuer, hauptsächlich zur Bewältigung der finanziellen Belastung im Zuge der Deutschen Einheit, eingeführt. Und blieb. Er wird mit 5,5% auf die erhobene Steuer, u.a. auch auf die Abgeltungsteuer berechnet und abgeführt. Mit dem Jahreswechsel wird der „Soli“ reformiert  und damit de facto für einen Großteil der Steuerpflichtigen wegfallen. Der Zuschlag für Kapitalerträge wird aber uneingeschränkt fortgeführt. Investoren und Kapitalanleger, die u.a. mit Zinsen und Dividenden Erträge erwirtschaften, werden weiterhin zur Kasse gebeten. Hier führt die Kontoführende Bank auch in Zukunft weiterhin automatisch ab, solange kein ausreichender Freistellungsauftrag erteilt wurde.

Was genau passiert?

Mit Anhebung des Freibetrages (auf das zu versteuernde Einkommen) auf ca. 61.700 € (für ledige) bzw. 123.700 € für Verheiratete wird der Soli für viele Deutsche faktisch abgeschafft oder zumindest drastisch verringert. Je nach Höhe der Werbungsausgaben und Kinderfreibeträge schwankt das entsprechende Jahresbrutto, das zur Ermittlung des z.v.E. herangezogen wird. Im einfachsten Fall kann ein/e Ledige/r monatlich durchschnittlich ca. 6.000€ brutto verdienen, um gänzlich vom Soli befreit zu werden. Zukünftige Soli-Zahler sind also tatsächlich die höchsten Einkommen in Deutschland.

Hier einige Beispiele, wie sich die Soli-Verpflichtungen heute (2020) zukünftig (ab 2021) entwickeln könnten:

Die Kombinationsmöglichkeiten ledig/verheiratet, Gehalt u. Anzahl der Kinder sind natürlich viel zu groß, um sie alle in diesem Beispiel aufnehmen zu können.

Soli reinvestieren und Vermögen aufbauen

Nehmen wir aber mal an, eine Gutverdiener-Familie mit zusammen 7.500 Euro brutto legt den „ersparten“ Soli für die beiden neugeborenen Zwillinge für beide pari in einem ETF-Sparplan mit je 25 Euro an. Bei einer angenommenen Rendite nach Steuern (mit Soli, haha) von 6% (man kann hier natürlich auch steuerfrei rechnen, da die Kinder u.U. den Freistellungsauftrag nicht ausreizen und / oder eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt beantragen können) ergibt sich nach einer Laufzeit von 18 Jahren zum Geburtstag ein Guthaben von rd. 9500 Euro bei Einzahlungen von 5400 Euro je Sparplan. Der Zinseszins lächelt dich an. Jetzt wird K1 studieren, hat kaum Einkünfte und die Eltern entschließen sich, bis 25, dem Jahr des ersten Arbeitsvertrages, weiterhin 25 Euro einzuschießen. Das Ergebnis: knapp 17.000 Euro Guthaben bei 7500 Euro Einzahlung. Das Grinsen wird breiter. Der neue Arbeitsvertrag sorgt leider nicht nur für die erste Steuerpflicht, auch die Möglichkeit der Nichtveranlagung fällt weg. K1 muss also ab sofort auch mit (oder besser ohne) Abgeltungsteuer rechnen, sobald Zinsen und Dividenden realisiert werden. Ab Jahr 25 also auch 26,375% inkl. Soli. Der fällt ja nicht weg. Stand heute.

ETF Depot ruhen lassen und den Zinseszins-Effekt arbeiten lassen

K1 möchte nicht weiter einsparen, sondern sein Depot arbeiten lassen und schaut erst am 50. Geburtstag wieder in sein Onlinebanking. Das Ergebnis: Das Nichtstun hat dazu geführt, dass er nun 59.386,46 Euro stehen hat. Nur weil Mama und Papa bis zum 25. Geburtstag brav 25 Euro gespart haben.

Und weil es sich K1 leisten kann, geht er mit 60 in Rente und versilbert seine Anteile. Stolze Auszahlungssumme: 94.085,95. Spätestens jetzt springt dir der Zinseszins-Effekt ins Gesicht.

Und wehe, K2 führt die Sparleistungen unverändert fort. Stichwort: Millionär Im Rentenalter mit 100 Euro ab der Geburt.

 

Von JL

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