Lange Zeit hat es gedauert, aber am 01. Februar 2021 kam die von vielen Wasserstoff-Fans ersehnte Nachricht:

Die Kapitalanlagesellschaft LGIM offeriert den ersten ETF auf den „Solactive Hydrogen Economy NR USD“ Index, und damit den ersten ETF überhaupt, der sich schwerpunktmäßig um das Thema Wasserstoff dreht (oder drehen soll). Vordergründig mag das stimmen, wer sich die Details anschaut, wird schnell vorsichtig. Aber zuerst der

Wasserstoff-ETF Faktencheck (IE00BMYDM794)

Ende März 2021, also rund zwei Monate nach Auflage, beträgt die Fondsgröße, also die Summe der investierten Gelder, umgerechnet rund 232 Mio. Eine Umrechnung findet deswegen statt, weil der ETF selbst auf US-$ lautet. Er wird aufgelegt von der britischen Kapitalanlagegesellschaft  LGIM, die in Größe und Reputation etwas im Schatten der Big Player steht. Fondsdomizil ist aus steuerlichen Gründen Irland. Insgesamt sind aktuell 28 Positionen aus aller Welt investiert, darunter je ca. 20% USA und Eurozone, je 14% UK und Resteuropa sowie rund 28% Asien.

Der Rest verteilt sich auf weitere Länder weltweit. Der ETF ist toll diversifiziert, keines der 28 Unternehmen hat einen höheren Anteil als fünf Prozent am Fondsvolumen, auch die sogenannte TER, also die jährlich wiederkehrenden Kosten, liegen mit 0,49% auf einem akzeptablem Niveau. Mittlerweile ist dieser ETF auch bei mehreren Brokern per Sparplan besparbar, am günstigsten ist aktuell Scalable, die u.U. diesen Sparplan komplett kostenfrei anbieten. Weitere Anbieter sind Consors, Comdirect, DKB und andere, die allerdings mit ihren jeweilig gültigen Gebühren bepreisen. Offen ist noch, ob der ETF Teil der ING 0€ Sparplan-Offensive zum 01.04. sein wird, die Info stand zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht fest, werde ich aber zügig nachliefern, sobald sie eintrifft. (Infos: extraETF)

Vor- und Nachteile

Wie bei jedem ETF scheiden sich hier die Geister, ob Einzeltitel oder ETF. Grundsätzlich sei gesagt, je weniger man in der Materie drin ist oder bereit ist, sich einzulesen, desto eher sollte man zu einem ETF greifen. Das Thema Wasserstoff in seiner Komplexität scheint aber geradezu prädestiniert dafür zu sein, mit einem einfachen ETF abgebildet zu werden. Die Frage nämlich, ob man einen Wasserstoff-Produzenten, einen Hersteller von Elektrolyse-Anlagen oder doch den direkten Wasserstoff-Verbraucher wählt, scheint für den Laien unmöglich. Auch zu verstehen, wie der Prozess von Stromgewinnung über Teilchentrennung bis zum „Verbrennen“ funktioniert, ist nicht einfach nachzuvollziehen. Dem interessierten aber unerfahrenen Anleger würde ich daher einen ETF ans Herz legen. ABER: nicht diesen.

Gemäß Infochart von extraETF sind unter den größten zehn Holdings im ETF Gemischtwarenläden, die neben allerlei anderen Geschäften auch das Thema Wasserstoff auf der Agenda haben. Kolon aus Südkorea ist eigentlich ein Textilunternehmen, das auch mit Chemikalien aller Art handelt, Cummins aus Nordamerika verdient sein Geldhauptsächlich mit Dieseldeals, Linde und Air Liquide handeln mit allen Industriegasen die man sich vorstellen kann. Und Daimler, na ja, Dieselgate, da war ja mal was. Erst im unteren Bereich finden sich reine Wasserstoffplayer, wie wir sie von den „Tenbagger“ News her kennen. Hintergrund ist natürlich, dem Fonds soll durch die Dominanz der durchentwickelten Großkonzerne die Volatilität genommen werden, die die reinen Wasserstoff-Player aufgrund des kleinen Umsatzes und Gewinns aufweisen. Die TER von 0,49% ist ordentlich, aber nicht überragend, die Diversifikation nach Branchen und Länder passt. Aber eigentlich will man doch im Wasserstoff-Spezialitätenfonds keine breite Diversifikation nach Branchen oder?

Fazit

Dieser ETF ist nichts für Wasserstoff-Puristen, sondern für Anleger, die sich mit dem Thema vertraut machen, keinen Research investieren oder ihre Depot-Volatilität verringern möchten, ohne auf den Wasserstoffturbo zu verzichten. Leider ist daher derzeit kein entsprechender ETF im Angebot, der den reinen Wasserstoff bedient und gleichzeitig durch Streuung dem Thema etwas Brisanz nimmt. Ich bleibe daher bis auf weiteres in Einzeltiteln zum Thema investiert.

Für mein Depot heißt das: Nicht kaufen.

Von JL

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