Ein bisschen später wie sonst habe ich mich auch für Juni wieder an die Arbeit gemacht, meinen Bloglesern einige meiner Watchlist-Titel näherzubringen. Wie immer stellt dies keine Kaufempfehlung dar, ich bitte darum, die Unternehmen eigenständig charttechnisch oder fundamental zu checken und auf dieser Basis eine Entscheidung zu treffen.

1. Hawesko (WKN 604270) | Sektor: Genussmittel / Konsum | Land: Deutschland | akt. Rendite: 3,7%

Wein ist in Deutschland eine Art „Anti-Bier“. Während der Konsum des Gebräus kontinuierlich zurückgeht, der Wettbewerb immer heißer wird und ein kleines Brauereiensterben einsetzt, liegt Wein vor allem bei Jüngeren voll im Trend. Ein maßgeblicher Profiteur ist der Hamburger Weinhändler Hawesko, nach eigenen Angaben einer der führenden Anbieter von Weinen aus der gesamten Welt. Vor allem im Onlinegeschäft, aber auch mit den stationären „Jaques‘ Weindepots“ zieht das Geschäft weiter an. Dabei wurde auf der HV Mitte Juni 21 bekanntgegeben, dass man das eEbit für das 1 HJ 2021 in einer Größenordnung von rund 30 Mio. € erwartet. Damit würde man das Ergebnis des Vorjahreszeitraums glatt verdoppeln. Ebenfalls wurde dort eine Dividende von 2€ je Anteil von den Aktionären bestätigt. Seit nun 28 Jahren zahlt Hawesko nun eine Dividende und zählt damit zu den verlässlichsten Zahlern in Deutschland. Ein Einstieg in Suchtmittel-Aktien fällt mir immer etwas schwer, daher bleibt der Titel für mich aktuell nur unter „Beobachtung“.

2. Eurazeo (WKN 860642) | Sektor: Beteiligung | Land: Frankreich | akt. Rendite: 2%

Dividendenhistorie Eurazeo TradeRepublic

Der französische Beteiligungskonzern läuft meines Erachtens immer im Schatten größerer ausländischer Peers und auch inländischer Blue Chips. Dabei braucht sich die Muttergesellschaft von u.a. Europcar und weiteren Beteiligungen an Moncler, desigual, Accor und weiteren nicht verstecken. Vor 20 Jahren aus der Fusion von Eurafrance und Azeo entstanden, lief das Corona-Jahr ziemlich katastrophal. Analysten schätzen, dass das Unternehmen erst 2022 wieder nachhaltig in die Gewinnzone rutscht. Spannend ist neben der breiten Aufstellung der Holding, die auch kleinere und mittlere Betriebe in Frankreich hält, dass sie die Dividende (mit Ausnahme 2017 nach Sonderdividende 2016) kontinuierlich steigert. Die Ausschüttungsquote liegt dabei voraussichtlich bei guten 30-40%. Die aktuelle Dividendenrendite mutet mit rund 2% recht klein an. Ein Einstieg kann aber angesichts der zuverlässigen (Vergangenheitsbetrachtung!) Erhöhungen für ein Langfristinvest passen.

 

3. Swire Pacific (WKN 860990) | Sektor: Holding |  Land: China | akt. Rendite 3%

Cathay Pacific – ein Name wie ein Gedicht. Dabei besteht die Muttergesellschaft längst nicht nur aus der Premiumflugmarke aus Hong Kong. Wäre ja im Corona-Jahr, das bekanntlich allen Fluglinien die Bilanz verhagelte, auch ein ernsthaftes Problem gewesen. Seit der Gründung der Muttergesellschaft Swire vor über 200 Jahren als Baumwollhändler in UK wurde ein in China operierendes Unternehmen, das sich heute auf die Sektoren Immobilien, Hotels, Getränke, Schifffahrtsdienste, Nahrungsmittel und Handel konzentriert. Hierbei wurden wesentliche Unternehmungen in Swire Pacific gebündelt und legt seinen Fokus auf den Wachstumsmarkt China. Durch seine britische Herkunft fühlt man sich aber traditionell dem Standort Hong Kong verbunden. Vor allem von 2021 auf 2022 erwarten Analysten getrieben durch die weltweite Wirtschaftserholung und dem weiter wachsenden chinesischen Markt eine Verdreifachung des Ergebnisses je Aktie. Das lässt auch Dividendeninvestoren auf weiter steigenden Ausschüttungen hoffen. Swire ist dermaßen breit aufgestellt, das es auch weitere Krisen halbwegs ordentlich überstehen kann. Kommt zudem der Flugverkehr wieder in Schwung, sehe ich hier enormes Potenzial mit möglichen Renditen jenseits der 5%, gemessen am heutigen Kurs.

4. International Paper (WKN 851413) | Sektor: Rohstoffe / Verarbeitung | Land: USA | akt. Rendite 3,2%

Das Papierunternehmen aus Memphis hat eine über hundertjährige Tradition in der Herstellung von Papier- und Pappeprodukten, aber auch im mittlerweile etwas verpönten Kunststoffmarkt für Einweggeschirr. Das Unternehmen stellt im Wesentlichen Kartonagen her und befindet sich damit u.a. im Wettbewerb mit Kimberley-Clark, obwohl diese sich breiter im Hygieneartikel-Markt aufstellen. Das Thema Recycling spielt eine immer größer werdende Rolle im Unternehmen. Neben der Erhaltung der Umwelt spielen hier natürlich auch Image-Aspekte eine Rolle. Nach einem radikalen Dividenden-Cut 2009 wurde die Ausschüttung seitdem kontinuierlich erhöht. Schätzungen, getragen von immer mehr Nachfrage von Verpackungen im Versandhandel, sehen gesundes organisches Wachstum in der Sparte voraus. Klar ist, Umsätze werden ob des eng abgesteckten Geschäftsfeldes und der Konkurrenz keine großen Sprünge machen. Angesichts 12 Jahren von Ausschüttungswachstum, ist IP aber möglicherweise ein Wert zum Beimischen und hilft, ein optimistisches Depot am Boden zu halten.

5. Tokyo Tatemono (WKN 850796) | Sektor: Immobilien | Land: Japan | akt. Rendite 2,8%

Tokyo Tatemono wäre tatsächlich meine erste japanische Position. Das Immobilienunternehmen aus der Hauptstadt blickt ebenfalls auf eine über hundertjährige Historie zurück. Die Geschäftsfelder sind klassisch für ein Immobilienunternehmen: Ankauf, Sanierung, Verkauf von Gewerbeimmobilien und Wohnhäusern in Japan und Südostasien. Daneben begleitet man auch Bauherren in beratender Funktion und entwickelt Hotels, Freizeitanlagen, Resorts und andere Gastgewerbe, sowie Golfanlagen. Getrieben durch den asiatischen Nachfragebooom und Engpässe im Gebäudewesen hat Tatemono keinen Corona-Einfluss gespürt. Auch zukünftig ist ein organisches Wachstum um rund 5% angepeilt, während die Dividende leicht unterproportional gesteigert werden dürfte. Bewertet wird das Unternehmen übrigens lediglich mit dem zehnfachen des Jahresgewinns – in Zeiten explodierender KGVs eine Notiz wert. Für mich ist der Titel spannend, um mir Immobilien aus Fernost ins Portfolio zu holen und die USA weniger zu gewichten. Auch mit „Home Office“ sehe ich gute Entwicklungschancen in der Branche.

Von JL

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