Discount-Trading ist in – 0€, 1€ oder auch Flat-Trading, jedes Anlegerherz wird mittlerweile bedient.

Markenlogo zero
Markenlogo zero

Die Marketingkassen bei TradeRepublic & Co sind bis oben hin befüllt. Wer jetzt bei Null startet, hat’s schwer. Die Springer-Tochter Finanzen.net, eines der gefragtesten Börsenportale in Deutschland, hat vor einigen Wochen Schlagzeilen mit der Übernahme von Gratisbroker gemacht. Und den Dienst jetzt in das eigene Angebot als „Zero“ integriert. Es handelt sich daher eigentlich gar nicht um einen „Launch“, sondern nur um einen neuen Anstrich der App-Fassade. Dabei bleibt das Angebot auch unverändert:

  • kostenfreies Trading
  • Mindestvolumen: 500€
  • Web- & App-Oberfläche
  • kontoführende Bank: Baader Bank
  • kein Depotübertrag zu Zero möglich; Depotübertrag von Zero nur im Rahmen der Depotauflösung
  • nur ein Depot je Kunde möglich

Aus alt mach neu

Finanzen.net erweitert mit Gratisbroker zudem eigentlich nur sein bestehendes Angebot. Bislang war es bereits möglich, auf OnVista-Basis Depots zu eröffnen und über den Roboadvisor Oskar passiv Geld verwalten zu lassen. Die Akquisition zielt also darauf, eine Topstellung im Brokermarkt zu erreichen und mit dem eigenen Vorteil der Vernetzung über das eigene Portal Kunden anderen Billighändlern abspenstig zu machen. Ein Thema ist allerdings die alleinige Anbindung an Gettex. Mitbewerber wie Justtrade bieten zu den selben (Gebühren-) Konditionen bis zu drei Börsenplätze an. Finanzen.net „Zero“ braucht also eine eigene Markenstrategie, um sich im umkämpften Markt durchzusetzen. Daher wird man hier neben der Stand-Alone App für das Trading die Möglichkeit des Handlens in die Standard-App einbauen – ein Vorteil für den Kunden, der hier alle wertpapierrelevanten Infos und News aus einer Hand erhält. Zwar haben Konkurrenten wie TradeRepublic im App-Umfang zuletzt deutlich nachgelegt und bieten dem Kunden mehr Informationen zum Wertpapier, an das Netzwerk aus Börseninfos,- tipps und tricks von Zero wird man kurzfristig eher nicht heranreichen.

Die Stammkunden sind das Kapital

Laut „Finance Forward“ bietet Finanzen.net aktuell rund sieben Mio. App Nutzern Zugang zu allen Wirtschaftsnachrichten dieser Welt. Der Hebel zur Marktführerschaft liegt also darin, aus den passiven Lesern möglichst viele aktive Trader zu rekrutieren – angesichts des Mindestvolumens will man hier wohl auch gar nicht primär beim Konkurrenten TradeRepublic abfischen, der maßgeblich vom Boom profitiert hat. Zudem birgt das den Vorteil, verhältnismäßig wenig in Kundengewinnung stecken zu müssen, wenn das Potenzial ja schon da ist. Neben den eigenen Nutzern zielt man wohl eher auf ältere Depotkunden ab, die tendenziell größere Volumina günstig handeln möchten, aber eben nicht auf ein Mindestmaß an Depotservice verzichten möchten. Hier gerät wohl am ehesten Justtrade und mit Abstrichen der Smartbroker ins Visier. Auch an Scalable wird man sich auf kurze Sicht erstmal nicht messen lassen können.

Wozu dient DonauCapital?

Anders als andere Broker ist Zero keine Wertpapierhandelsbank, also eigentlich nicht einmal ein Broker, sondern streng genommen nur eine Marke, also ein Name einer leeren Hülle. Um dennoch Wertpapiertransaktionen als „Broker“  abwickeln zu dürfen, arbeitet die Gesellschaft mit DonauCapital zusammen, die BaFin-reguliert die Transaktionen durchführt und schließt. Für den Kunden laufen diese Prozesse im Hintergrund ab und er bekommt den Eindruck, hier alles aus einer Hand zu bekommen. Zero hat sich demnach dazu entschieden, alle relevanten Services (Vollbanklizenz über Baader Bank & Handelslizenz über DonauCapital) auszulagern und anzumieten, statt einmalig für die eigene Erlangung zu zahlen. Zero dient demnach ausschließlich als Schaufenster nach außen und ist selbst kein Dienstleister.

Keine Vollbanklizenz, keine WHB - laut zero FAQ günstiger
Keine Vollbanklizenz, keine WHB – laut zero FAQ günstiger

Was bringt der „neue Broker“?

In dieser Preiskategorie geht es um Nuancen. Mitentwickler Jens Ohr sagt zwar im Finance Forward Interview, er sehe „zero in drei Faktoren gegenüber der Konkurrenz im Vorteil: Wir liefern ein umfangreiches Informationsangebot, haben das attraktivere Preismodell und eine wesentlich bequemere Nutzererfahrung“. Punkt eins ist zweifellos der große Trumpf von zero, auch wenn smartbroker nicht weit weg ist. Preislich nimmt sich zero aber nichts mit Justtrade und die Nutzererfahrung sehe ich bei allen Neobrokern in einer Liga. Wenn zero es also nicht schafft, Umsätze aus seinen Stammusern zu ziehen, sehe ich hier keine Marktführerschaft.

Von JL

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